Governance & Führung

Warum moderne ERP-Transformationen Führungsarbeit sind

Warum Governance, Clean Core und klare Verantwortlichkeiten über den Erfolg entscheiden

Fünf Führungskräfte an einem dunklen Konferenztisch, ein Mann Anfang sechzig steht und erläutert eine Entscheidung, die anderen hören zuKI-generiert
Erfolgreiche ERP-Transformationen erfordern klare Führung, Governance und Verantwortlichkeiten. Bild: KI-generiert.
Executive Summary

ERP-Systeme stehen seit jeher im Zentrum unternehmerischer Steuerung. Sie verbinden Fachbereiche und schaffen eine gemeinsame Datenbasis. Mit dem Wechsel zu Cloud-ERP gewinnen Fragen zur Zusammenarbeit und zu gemeinsamen Standards an Bedeutung. Gleichzeitig verändern sich Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege.

Unterschiedliche Interessen müssen zusammengeführt, Entscheidungen getroffen und Veränderungen im Arbeitsalltag umgesetzt werden. Diese Themen begleiten viele ERP-Projekte über die gesamte Laufzeit hinweg und prägen ihre Ergebnisse oft noch Jahre nach der Einführung. Cloud-ERP ist eine Führungsentscheidung mit Auswirkungen, die weit über die Einführung eines neuen Systems hinausreichen.

Cloud-ERP verändert Entscheidungsmechanismen

Cloud-ERP macht Entscheidungen über Prozesse, Standards und Verantwortlichkeiten sichtbarer und damit stärker zu einer Führungsaufgabe.

Klassische ERP-Einführungen waren häufig durch lange Projektlaufzeiten, umfangreiche Individualisierungen und stark IT-getriebene Entscheidungen geprägt. Cloud-ERP verfolgt einen anderen Ansatz:

  • Standardisierte Prozesse
  • Regelmäßige Weiterentwicklung
  • Kürzere Implementierungszyklen
  • Stärkere Nähe zum Fachbereich

Dadurch verändern sich auch die Fragestellungen innerhalb eines Projekts. Es geht nicht mehr nur darum, wie ein Prozess technisch umgesetzt werden kann. Stattdessen müssen Unternehmen häufiger entscheiden, wie künftig gearbeitet werden soll.

Typische Beispiele sind:

  • Soll ein gemeinsamer Standard für alle Standorte gelten?
  • Wann ist eine Ausnahme gerechtfertigt?
  • Wer entscheidet über neue Anforderungen?
  • Welche Prozesse sollen vereinheitlicht werden?
Klassisches ERPCloud ERP
Umfangreiche IndividualisierungFokus auf Standardprozesse
Lange Projekt- und ReleasezyklenKontinuierliche Weiterentwicklung
Stark IT-getriebene EntscheidungenStärkere Einbindung der Fachbereiche
Projektorientierte EinführungLaufende Transformation
Fokus auf technische UmsetzungFokus auf Führung und Governance

Tabelle: Klassisches ERP vs. Cloud ERP

Mit Cloud-ERP gewinnen organisatorische Entscheidungen an Bedeutung. Der Umgang mit Standards und Verantwortlichkeiten hat oft größeren Einfluss auf den Projekterfolg als die technische Umsetzung selbst. Cloud-ERP wird damit zu einer Management-Aufgabe.

Geschwindigkeit ist kein Selbstzweck

Geschwindigkeit schafft nur dann einen Mehrwert, wenn die Organisation Schritt halten kann.

Ein zentrales Versprechen von Cloud-ERP ist eine schnellere Umsetzung neuer Lösungen. Viele Unternehmen verbinden damit kürzere Projektlaufzeiten und eine schnellere Realisierung von Verbesserungen. Gleichzeitig zeigt sich in vielen Projekten ein wiederkehrendes Muster:

  • Ein Prozess wird festgelegt, bevor alle betroffenen Bereiche eingebunden sind.
  • Schulungen werden vorbereitet, während zentrale Fragen noch offen sind.
  • Bereits beschlossene Themen kommen in späteren Workshops erneut auf den Tisch.

Das Projekt bewegt sich zwar schnell vorwärts. Die Organisation holt die offenen Punkte jedoch später wieder ein. Bewusst gesteuerte Geschwindigkeit bedeutet deshalb, das Tempo der Transformation an der Entscheidungs- und Veränderungsfähigkeit des Unternehmens auszurichten.

Governance als Voraussetzung für Skalierbarkeit

Governance schafft Klarheit darüber, wer Entscheidungen trifft und welche Regeln dabei gelten.

Ein typisches Beispiel: Ein Unternehmen führt ein ERP-System für mehrere Gesellschaften ein. Im Einkauf soll künftig ein einheitlicher Prozess für alle Standorte gelten.

Das Management verspricht sich davon mehr Transparenz und eine einfachere Steuerung. Standort A begrüßt die Veränderung. Dort wurden viele Prozesse bislang manuell abgewickelt und neue Mitarbeiter müssen aufwendig eingearbeitet werden. Standort B arbeitet bereits ähnlich wie der zukünftige Standard und sieht nur geringe Auswirkungen.

Standort C lehnt die Veränderung dagegen ab. Dort haben sich die bestehenden Abläufe über Jahre bewährt und die Mitarbeiter sehen keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Gleichzeitig argumentiert die IT, dass unterschiedliche Prozessvarianten den Betrieb aufwendiger machen. Der Einkaufsleiter erkennt die Vorteile eines gemeinsamen Standards, möchte jedoch die Akzeptanz der Mitarbeiter nicht gefährden.

Grafik zur Governance in ERP-Transformationen mit unterschiedlichen Interessen von Management, IT und Standorten sowie den Auswirkungen einer unternehmensweiten Prozessentscheidung
Wie Governance unterschiedliche Interessen zu einer gemeinsamen Entscheidung zusammenführt

Alle Beteiligten verfolgen nachvollziehbare Ziele. Trotzdem entstehen unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie künftig gearbeitet werden soll.

Hier zeigt sich der Wert von Governance. Sie schafft einen verbindlichen Rahmen für Entscheidungen. Dabei legt sie fest:

  • welche Prozesse unternehmensweit gelten
  • wo Abweichungen zulässig sind
  • wie neue Anforderungen bewertet werden
  • wer Entscheidungen letztlich verantwortet

Dadurch werden Entscheidungen nachvollziehbarer. Gleichzeitig entstehen die Voraussetzungen für einheitliche Prozesse, vergleichbare Daten und eine Organisation, die auch bei Wachstum und Veränderungen handlungsfähig bleibt.

Welche Rolle spielt SAP Cloud ERP?

SAP Cloud ERP schafft Rahmenbedingungen, die klare Entscheidungen über Prozesse und die langfristige Entwicklung der ERP-Landschaft erfordern.

SAP Cloud ERP folgt bewusst Prinzipien wie:

  • Standardprozesse statt individueller Kernanpassungen
  • Regelmäßige Releases statt statischer Systemstände
  • Eine klare Trennung zwischen Kernsystem und Erweiterungen

Dadurch entstehen andere Anforderungen an Unternehmen als in klassischen ERP-Landschaften. Prozesse, Erweiterungen und zukünftige Veränderungen müssen stärker mit Blick auf die langfristige Entwicklung der Systemlandschaft betrachtet werden.

Viele Fragestellungen, die früher technisch gelöst wurden, werden dadurch zu organisatorischen Entscheidungen. Unternehmen müssen bewusst festlegen, wie sie ihre Prozesse gestalten und welche Leitplanken für die Weiterentwicklung ihrer ERP-Landschaft gelten sollen.

Dadurch gewinnen Führung, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege zusätzlich an Bedeutung und werden zu einem wichtigen Erfolgsfaktor der Transformation.

Warum ist Clean Core eine Führungsentscheidung?

Definition

Clean Core beschreibt den Ansatz, den ERP-Kern möglichst standardnah zu halten und individuelle Anforderungen über definierte Erweiterungsmechanismen außerhalb des Kerns umzusetzen. Ziel ist es, die ERP-Landschaft auch bei zukünftigen Änderungen und Erweiterungen dauerhaft beherrschbar zu halten.

Clean Core lebt von klaren Entscheidungen darüber, wie mit neuen Anforderungen, Prozessen und Erweiterungen umgegangen wird.

Das Clean-Core-Prinzip gehört zu den zentralen Konzepten moderner ERP-Landschaften. Mit jeder neuen Anforderung stellt sich die gleiche Frage: Soll sie im Standard abgebildet werden, außerhalb des ERP-Kerns umgesetzt werden oder rechtfertigt sie eine Ausnahme?

Die Antworten darauf prägen die ERP-Landschaft oft über viele Jahre hinweg. Deshalb benötigt Clean Core klare Regeln für den Umgang mit Anforderungen und Erweiterungen. Dazu gehört unter anderem:

  • Welche Prozesse sind strategisch und müssen standardisiert bleiben?
  • Wo erfolgt bewusste Differenzierung außerhalb des Kerns?
  • Welche Rolle spielt die SAP Business Technology Platform als Erweiterungsebene?

Von diesen Entscheidungen hängt ab, wie aufwendig zukünftige Veränderungen werden und wie gut sich die ERP-Landschaft weiterentwickeln lässt. Entsprechend sorgfältig sollten sie getroffen und umgesetzt werden.

Der menschliche Faktor in Cloud-ERP-Transformationen

Der Erfolg einer ERP-Transformation zeigt sich im Arbeitsalltag der Mitarbeiter.

Ein neues ERP-System kann Prozesse unterstützen, Informationen bereitstellen und Transparenz schaffen. Ob diese Möglichkeiten tatsächlich genutzt werden, entscheidet sich jedoch erst nach dem Go-Live.

Mitarbeiter müssen neue Abläufe verstehen, Daten konsequent pflegen und Prozesse im Alltag anwenden. Gleichzeitig verändert eine ERP-Transformation häufig die Art und Weise, wie Bereiche zusammenarbeiten und Verantwortung übernehmen.

Dabei zeigen sich oft ähnliche Herausforderungen:

  • Gewohnte Arbeitsweisen sollen verändert werden.
  • Neue Prozesse müssen im Tagesgeschäft gelernt werden.
  • Unterschiedliche Erwartungen treffen aufeinander.
  • Zurückhaltung gegenüber neuer Transparenz wird sichtbar.
  • Entscheidungen zu Standards werden vermieden oder aufgeschoben.
  • Verantwortung wird an Projekte oder externe Dienstleister delegiert.

Cloud-ERP macht diese Themen sichtbar. Umso wichtiger ist es, Mitarbeiter frühzeitig einzubinden, Veränderungen verständlich zu kommunizieren und ausreichend Zeit für Schulungen und den Übergang in den neuen Arbeitsalltag einzuplanen.

Rollen, Verantwortung und Durchsetzung

Erfolgreiche ERP-Transformationen benötigen klare Rollen und Verantwortlichkeiten.

Je größer eine Transformation wird, desto wichtiger wird die Frage, wer Entscheidungen vorbereitet, wer Prioritäten setzt und wer deren Umsetzung begleitet. Typischerweise übernehmen dabei verschiedene Rollen unterschiedliche Aufgaben:

Executive Sponsoren

Wenn sich mehrere Bereiche nicht auf einen gemeinsamen Prozess einigen können, braucht es jemanden, der eine Entscheidung trifft und diese auch vertritt. Executive Sponsoren geben die Richtung vor, setzen Prioritäten und schaffen die notwendigen Rahmenbedingungen für die Transformation.

Change Champions

Neue Prozesse werden selten allein durch Schulungen etabliert. Change Champions helfen dabei, Entscheidungen in die Fachbereiche zu tragen, Fragen aufzugreifen und Akzeptanz für neue Arbeitsweisen zu schaffen.

Fachbereiche

Sie kennen die täglichen Abläufe und bringen die Anforderungen an Prozesse und Systeme ein. Gleichzeitig entscheiden sie maßgeblich darüber, ob neue Arbeitsweisen tatsächlich im Alltag gelebt werden.

Klare Rollen schaffen Orientierung. Sie sorgen dafür, dass Entscheidungen nicht im Projekt bleiben, sondern ihren Weg in Prozesse, Systeme und die tägliche Arbeit finden.

Fazit: ERP-Transformation bewusst führen

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Cloud-ERP verändert die Art, wie Entscheidungen getroffen werden.
  • Geschwindigkeit erfordert klare Prioritäten und Verbindlichkeit.
  • Governance schafft einen Rahmen für Entscheidungen und Verantwortlichkeiten.
  • Unterschiedliche Interessen müssen zu gemeinsamen Entscheidungen zusammengeführt werden.
  • Clean Core lebt von bewussten und konsequent umgesetzten Entscheidungen.
  • Mitarbeiter entscheiden mit darüber, ob Veränderungen im Alltag angenommen werden.
  • Klare Rollen unterstützen die Umsetzung und Verankerung der Transformation.

Unternehmen investieren erhebliche Zeit und Ressourcen in die Auswahl und Einführung eines neuen ERP-Systems. Im Verlauf eines Projekts müssen Entscheidungen über Prozesse, Verantwortlichkeiten und die zukünftige Arbeitsweise eines Unternehmens getroffen werden.

Diese Entscheidungen wirken weit über die technische Umsetzung hinaus und prägen die tägliche Arbeit oft über viele Jahre hinweg. Cloud-ERP ist deshalb immer auch eine Führungsentscheidung mit langfristigen Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit eines Unternehmens.

Cloud-ERP ist eine Führungsentscheidung. Und genau so sollte sie getroffen werden.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Governance im ERP-Umfeld?

Governance legt fest, wie Entscheidungen rund um das ERP-System getroffen werden. Dazu gehört beispielsweise, welche Prozesse für das gesamte Unternehmen gelten, wie mit Ausnahmen umgegangen wird und wer bei Konflikten entscheidet. Ziel ist es, Entscheidungen nachvollziehbar zu machen und eine gemeinsame Richtung vorzugeben.

Welche Rolle spielt das Management bei einer ERP-Einführung?

Das Management trifft Entscheidungen, die mehrere Bereiche oder Standorte betreffen. Dazu gehören beispielsweise gemeinsame Prozesse, Prioritäten oder Verantwortlichkeiten. Viele dieser Entscheidungen wirken sich über Jahre hinweg auf die tägliche Arbeit aus und können deshalb nicht allein im Projekt oder in der IT getroffen werden.

Was bedeutet Clean Core?

Clean Core beschreibt den Ansatz, den ERP-Kern möglichst nahe am Standard zu halten. Individuelle Anforderungen werden außerhalb des Kerns umgesetzt, damit das System auch bei zukünftigen Änderungen und Erweiterungen beherrschbar bleibt. Dadurch lassen sich neue Funktionen und Updates einfacher übernehmen.

Autor

FULCRUM Consulting

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